Im Jahr 2026 bietet die Museumsgesellschaft Schopfheim ihren Mitgliedern und Interessierten ein abwechslungsreiches Exkursionsprogramm mit kulturhistorischen und technischen Schwerpunkten.
Am Samstag, den 26. September 2026 besuchen wir das Kommunale Kino Kandern. Treffpunkt ist um 17:50 Uhr direkt am Kino, die Führung beginnt um 18:00 Uhr.
Im Rahmen einer exklusiven Führung erhalten die Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen des historischen Kinos. Dabei werden die Geschichte des Hauses, der laufende Kinobetrieb sowie die Vorführ- und Tontechnik vorgestellt. Die Führung vermittelt interessante Einblicke in die Arbeit, die dem regulären Besucher sonst verborgen bleiben.
Im Anschluss besteht Gelegenheit, den Abend in geselliger Runde bei einem Getränk im Foyer des Kinos ausklingen zu lassen. Die Führung wird dem Verein freundlicherweise kostenfrei angeboten.
Wer den Abend darüber hinaus im Kino verbringen möchte, hat anschließend die Möglichkeit, den Filmklassiker „Außer Atem“ (1960) anzusehen. Für die Filmvorführung fällt der reguläre Eintrittspreis des Kinos in Höhe von 8 bis 9 Euro pro Person an.
Die Teilnehmerzahl ist bei allen Exkursionen auf maximal 15 Personen begrenzt. Nähere Informationen zu Anmeldung und Ablauf werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Keramik Kandern
Die erste Exkursion der Museumsgesellschaft Schopfheim im Jahr 2026 widmete sich einem Werkstoff, der uns im Alltag so selbstverständlich begegnet, dass seine kulturgeschichtliche Bedeutung oft übersehen wird: der Keramik. Gemeinsam mit der Webkunst zählt die Keramik zu den ältesten Handwerken der menschlichen Zivilisation. Über Jahrtausende hinweg fertigten Hafner und Töpfer Gebrauchsgegenstände für den Alltag ebenso wie kultische und repräsentative Objekte. Heute erwerben wir keramische Erzeugnisse meist anonym, ohne den Hersteller oder die handwerklichen Prozesse dahinter zu kennen.
Erstes Ziel der Exkursion war das Heimat- und Keramikmuseum Kandern, das in einem liebevoll restaurierten Staffelgiebelhaus untergebracht ist. Das Museum vermittelt eindrucksvoll die Geschichte der Kanderner Keramik und ihre Bedeutung für die Region. In den historischen Räumen erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die Gewinnung und Verarbeitung des Tons sowie in die Entwicklung der örtlichen Keramikproduktion.
Die einst zahlreich vorhandenen Tongruben sind heute weitgehend stillgelegt oder renaturiert. Dennoch lässt sich die Entwicklung des Keramikhandwerks in Kandern bis heute nachvollziehen. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die kunstgeschichtlichen Impulse, die von Kandern ausgingen und sich in Kachelöfen, Brunnenanlagen, Kaminen und Wandmosaiken widerspiegeln. Besonderes Augenmerk galt dabei dem charakteristischen Kanderner Ton, der erst durch entsprechende Behandlung wasserundurchlässig wird.
Ebenso wurden die Werke bedeutender Persönlichkeiten vorgestellt, die das keramische Schaffen der Region geprägt haben. Namen wie Max Laeuger, Hermann Hakenjos und Richard Bampi stehen für die Verbindung von handwerklicher Tradition und künstlerischer Gestaltung. Auch die Unternehmen Kunsttöpferei Tonwerke Kandern (KTK) und Fayence-Manufaktur Kandern (FMK) sind bis heute eng mit dem Ruf Kanderns als Keramikstandort verbunden.
Interessant war zudem die Entwicklung moderner Glasuren. Während früher vielfach überlieferte Familienrezepte verwendet wurden, begann damals schon die Entwicklung der Glasuren auf chemisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen. An zahlreichen Ausstellungsstücken ließ sich nachvollziehen, wie sich Formen, Verzierungen und Gestaltungsideale über Jahrhunderte und Jahrtausende wandelten. Besonders bemerkenswert war eine keltische Kegelvase aus der Hallstattzeit, deren klare geometrische Muster überraschend modern wirken und an Gestaltungsprinzipien des Art déco erinnern.
Der Museumsbesuch bildete zugleich die ideale Vorbereitung für den zweiten Teil der Exkursion. Am Nachmittag besuchte die Gruppe die Keramikwerkstatt Hakenjos. Frau Kluge erläuterte dort anschaulich den langen und arbeitsintensiven Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt.
In der historischen Werkstatt sind viele traditionelle Arbeitsabläufe bis heute erhalten geblieben. Die Herstellung keramischer Erzeugnisse erfordert handwerkliches Geschick, Erfahrung und großes Fachwissen. Bereits die Aufbereitung des Rohmaterials stellt hohe Anforderungen. Der gewonnene Ton muss zunächst gereinigt werden. Aus dem Tonschlamm entsteht nach der Entwässerung ein fester Tonkörper, der weiterbearbeitet und zu Strängen verarbeitet wird. Erst dann kann das eigentliche Formen auf der Töpferscheibe beginnen.
Besonders eindrucksvoll war die Vorführung, bei der Frau Kluge aus einem unscheinbaren Klumpen Ton mit wenigen Handgriffen eine Vase entstehen ließ. Damit ist der Herstellungsprozess jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Es folgen die Lufttrocknung, das Aufbringen der Glasur sowie die in Handarbeit ausgeführten Dekore. Den Abschluss bildet der Brennvorgang bei Temperaturen von etwa 1.000 Grad Celsius.
Dabei wurde deutlich, wie viele Arbeitsschritte erforderlich sind und wie anfällig der Prozess für Fehler bleibt. Jede Phase birgt das Risiko, dass ein Werkstück beschädigt wird oder misslingt. Gerade dadurch wurde den Teilnehmern bewusst, welcher Aufwand hinter einer scheinbar einfachen Tasse, Schale oder Vase steckt.
Die Exkursion vermittelte nicht nur Wissen über die Geschichte der Kanderner Keramik, sondern auch ein neues Verständnis für handwerklich gefertigte Alltagsgegenstände. Viele Teilnehmer werden künftig keramische Erzeugnisse mit anderen Augen betrachten – als Ergebnis jahrhundertealter Tradition, handwerklichen Könnens und großer Sorgfalt.
Zum Abschluss der Exkursion gilt den Mitarbeitern des Heimat- und Keramikmuseums Kandern sowie Frau Kluge von der Keramikwerkstatt Hakenjos ein herzlicher Dank. Mit großer Sachkenntnis, Begeisterung und Geduld vermittelten sie den Teilnehmern die Geschichte und die handwerklichen Besonderheiten der Kanderner Keramik. Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Wissen, Erfahrung und Leidenschaft hinter einem Handwerk stehen, das unsere Kultur seit Jahrtausenden begleitet. Für die gewonnenen Einblicke und die freundliche Gastfreundschaft spricht die Museumsgesellschaft Schopfheim ihren aufrichtigen Dank aus.
Exkursion zur Villa Urbana in Heitersheim am 20. Juni 2026
Die Sonne stand hoch über dem Markgräflerland, die Luft flimmerte in der Hitze des Junitages. Schon beim Näherkommen fiel der Blick auf einen Torbogen aus Sandstein. Und was war das? Amor auf einem Delphin reitend? Für einen Augenblick schien es, als stünde man vor einem großzügigen römischen Landsitz irgendwo in Italien – einer Villa Urbana, wie sie Plinius der Jüngere hätte beschreiben können.
Doch wir befanden uns nicht im Italien der Kaiserzeit, sondern im Jahr 2026 in Heitersheim. Das Trugbild löste sich auf, während wir entlang der liebevoll gepflegten Ruinenanlage schritten. Freundlich wurden die Teilnehmer von der Archäologin Frau Lindemann empfangen, die trotz der sommerlichen Hitze bereitwillig die zahlreichen Fragen beantwortete.
Wer hatte hier gelebt? War die Villa über Generationen hinweg von einer Familie bewohnt worden? Welche Güter wurden hier hergestellt, und wer waren die Abnehmer? Weshalb entstand eine derart repräsentative Anlage in einer Region, die zur Zeit ihrer Gründung noch nicht einmal Teil einer römischen Provinz war?
Frau Lindemann verstand es ausgezeichnet, die Antworten aus den archäologischen Befunden und Funden der Villa sowie ihres Umfeldes herzuleiten. Wie ein ruhiger Strom durchliefen die Erläuterungen die verschiedenen Epochen der Anlage: von ihrer Einbindung in die damalige Gesellschaft über die deutlich erkennbaren Bau- und Erweiterungsphasen bis hin zur örtlichen Keramikproduktion. Besonders interessant waren dabei Keramikfunde mit Herstellerkennzeichnungen, die einerseits wertvolle Hinweise liefern, andererseits aber bis heute neue Fragen aufwerfen.
Ebenso eindrucksvoll war die Schilderung des Endes der Villa. Um das Jahr 270 n. Chr. wurde die Anlage aufgegeben. Jahrhunderte später erinnerte nur noch der Flurname „Scherbenacker“ an die einstige Bedeutung des Ortes. Die Überlieferung dieses Namens trug schließlich dazu bei, das wissenschaftliche Interesse an der Fundstelle neu zu wecken.
Während der Führung bot sich den Teilnehmern die seltene Gelegenheit, originale Bruchstücke von Wandputz und römischen Wandmalereien in die Hand zu nehmen. Im rekonstruierten Kellerbereich ließen replizierte Amphoren die antike Vorratshaltung anschaulich werden. Man konnte sich lebhaft vorstellen, wie hier Wein, Olivenöl, Getreide oder Garum – gewissermaßen das „Maggi der Antike“ – gelagert wurden.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die gewundene Kellertreppe. Ihre ungewöhnlich niedrigen Stufen ließen die Frage aufkommen, ob es sich tatsächlich um eine Treppe oder möglicherweise um das Fundament einer Rampe gehandelt haben könnte. Beim Blick zurück fiel eine Mauernische ins Auge, in der sich Figuren der Diana und des Merkur befanden. Letzterer trug augenzwinkernd die Gesichtszüge eines ehemaligen Bürgermeisters – eine charmante Idee, die moderne Ortsgeschichte mit der Antike verbindet.
Außerhalb des Kellers zeigte eine konservierte Grabungsfläche eindrucksvoll die verschiedenen Bodenschichten vergangener Jahrhunderte. Die Horizonte unterschiedlicher Epochen lagen übereinander und machten die Arbeit der Archäologen unmittelbar nachvollziehbar.
Tempus fugit – die Zeit vergeht. Kaum hatte man sich versehen, waren zwei Stunden vergangen. Im nahegelegenen Café Artis, dessen Bauform an einen historischen Getreidespeicher erinnert, wurden die gewonnenen Eindrücke bei einem Eiskaffee nachbesprochen und vertieft.
Die Museumsgesellschaft Schopfheim dankt Frau Lindemann sowie dem gesamten Team der Villa Urbana herzlich für die interessante Führung und die Möglichkeit, die römische Vergangenheit unserer Region auf so anschauliche Weise zu erleben.