Museumsgesellschaft Schopfheim e.V.
Museumsgesellschaft Schopfheim e.V.

Exkursionen 2026

Im Jahr 2026 bietet die Museumsgesellschaft Schopfheim ihren Mitgliedern und Interessierten ein abwechslungsreiches Exkursionsprogramm mit kulturhistorischen und technischen Schwerpunkten.

 

  • Den Auftakt bildet die Exkursion nach Kandern am 30. Mai 2026. Auf dem Programm stehen am Vormittag das Heimat- und Keramikmuseum sowie am Nachmittag ein Besuch der traditionsreichen Keramikwerkstatt Hakenjos. Die Teilnehmer erhalten Einblicke in die Entwicklung der Kanderner Töpferei und erleben zugleich lebendiges Handwerk mit regionalem Bezug. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 15 Euro pro Person und ist idealerweise im Vorfeld zu überweisen, da unserem Verein bei einer Barzahlung  zusätzliche Gebühren entstehen.

 

  • Am 20. Juni 2026 führt die Exkursion zur Villa Urbana Heitersheim, einer bedeutenden römischen Villenanlage. Im Rahmen einer fachkundigen Führung werden die Anlage, ihre Funktion innerhalb der römischen Gutshofwirtschaft sowie die Lebensverhältnisse in der Antike anschaulich erläutert. Auch archäologische Funde und die Forschungsgeschichte werden thematisiert. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 15 Euro pro Person und ist idealerweise im Vorfeld zu überweisen, da unserem Verein bei einer Barzahlung  zusätzliche Gebühren entstehen.

 

  • Ein weiterer Höhepunkt ist die Exkursion am 26. Juli 2026 zum Pantheon Basel in Muttenz. Das bekannte Oldtimer- und Mobilitätszentrum zeigt anhand zahlreicher historischer Fahrzeuge die Entwicklung der Fortbewegung. Die Führung vermittelt technische, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte der Mobilitätsgeschichte. Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 15 Euro pro Person und ist idealerweise im Vorfeld zu überweisen, da unserem Verein bei einer Barzahlung  zusätzliche Gebühren entstehen.

 

Die Teilnehmerzahl ist bei allen Exkursionen auf maximal 15 Personen begrenzt. Nähere Informationen zu Anmeldung und Ablauf werden rechtzeitig bekanntgegeben.

 

 

 

Exkursionsberichte 2026

Keramik Kandern

Die erste Exkursion der Museumsgesellschaft Schopfheim im Jahr 2026 widmete sich einem Werkstoff, der uns im Alltag so selbstverständlich begegnet, dass seine kulturgeschichtliche Bedeutung oft übersehen wird: der Keramik. Gemeinsam mit der Webkunst zählt die Keramik zu den ältesten Handwerken der menschlichen Zivilisation. Über Jahrtausende hinweg fertigten Hafner und Töpfer Gebrauchsgegenstände für den Alltag ebenso wie kultische und repräsentative Objekte. Heute erwerben wir keramische Erzeugnisse meist anonym, ohne den Hersteller oder die handwerklichen Prozesse dahinter zu kennen.

 

Erstes Ziel der Exkursion war das Heimat- und Keramikmuseum Kandern, das in einem liebevoll restaurierten Staffelgiebelhaus untergebracht ist. Das Museum vermittelt eindrucksvoll die Geschichte der Kanderner Keramik und ihre Bedeutung für die Region. In den historischen Räumen erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die Gewinnung und Verarbeitung des Tons sowie in die Entwicklung der örtlichen Keramikproduktion.

 

Die einst zahlreich vorhandenen Tongruben sind heute weitgehend stillgelegt oder renaturiert. Dennoch lässt sich die Entwicklung des Keramikhandwerks in Kandern bis heute nachvollziehen. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die kunstgeschichtlichen Impulse, die von Kandern ausgingen und sich in Kachelöfen, Brunnenanlagen, Kaminen und Wandmosaiken widerspiegeln. Besonderes Augenmerk galt dabei dem charakteristischen Kanderner Ton, der erst durch entsprechende Behandlung wasserundurchlässig wird.

Ebenso wurden die Werke bedeutender Persönlichkeiten vorgestellt, die das keramische Schaffen der Region geprägt haben. Namen wie Max Laeuger, Hermann Hakenjos und Richard Bampi stehen für die Verbindung von handwerklicher Tradition und künstlerischer Gestaltung. Auch die Unternehmen Kunsttöpferei Tonwerke Kandern (KTK) und Fayence-Manufaktur Kandern (FMK) sind bis heute eng mit dem Ruf Kanderns als Keramikstandort verbunden.

 

Interessant war zudem die Entwicklung moderner Glasuren. Während früher vielfach überlieferte Familienrezepte verwendet wurden, begann damals schon die Entwicklung der Glasuren auf chemisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen. An zahlreichen Ausstellungsstücken ließ sich nachvollziehen, wie sich Formen, Verzierungen und Gestaltungsideale über Jahrhunderte und Jahrtausende wandelten. Besonders bemerkenswert war eine keltische Kegelvase aus der Hallstattzeit, deren klare geometrische Muster überraschend modern wirken und an Gestaltungsprinzipien des Art déco erinnern.

Der Museumsbesuch bildete zugleich die ideale Vorbereitung für den zweiten Teil der Exkursion. Am Nachmittag besuchte die Gruppe die Keramikwerkstatt Hakenjos. Frau Kluge erläuterte dort anschaulich den langen und arbeitsintensiven Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt.

 

In der historischen Werkstatt sind viele traditionelle Arbeitsabläufe bis heute erhalten geblieben. Die Herstellung keramischer Erzeugnisse erfordert handwerkliches Geschick, Erfahrung und großes Fachwissen. Bereits die Aufbereitung des Rohmaterials stellt hohe Anforderungen. Der gewonnene Ton muss zunächst gereinigt werden. Aus dem Tonschlamm entsteht nach der Entwässerung ein fester Tonkörper, der weiterbearbeitet und zu Strängen verarbeitet wird. Erst dann kann das eigentliche Formen auf der Töpferscheibe beginnen.

 

Besonders eindrucksvoll war die Vorführung, bei der Frau Kluge aus einem unscheinbaren Klumpen Ton mit wenigen Handgriffen eine Vase entstehen ließ. Damit ist der Herstellungsprozess jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Es folgen die Lufttrocknung, das Aufbringen der Glasur sowie die in Handarbeit ausgeführten Dekore. Den Abschluss bildet der Brennvorgang bei Temperaturen von etwa 1.000 Grad Celsius.

 

Dabei wurde deutlich, wie viele Arbeitsschritte erforderlich sind und wie anfällig der Prozess für Fehler bleibt. Jede Phase birgt das Risiko, dass ein Werkstück beschädigt wird oder misslingt. Gerade dadurch wurde den Teilnehmern bewusst, welcher Aufwand hinter einer scheinbar einfachen Tasse, Schale oder Vase steckt.

 

Die Exkursion vermittelte nicht nur Wissen über die Geschichte der Kanderner Keramik, sondern auch ein neues Verständnis für handwerklich gefertigte Alltagsgegenstände. Viele Teilnehmer werden künftig keramische Erzeugnisse mit anderen Augen betrachten – als Ergebnis jahrhundertealter Tradition, handwerklichen Könnens und großer Sorgfalt.

 

Zum Abschluss der Exkursion gilt den Mitarbeitern des Heimat- und Keramikmuseums Kandern sowie Frau Kluge von der Keramikwerkstatt Hakenjos ein herzlicher Dank. Mit großer Sachkenntnis, Begeisterung und Geduld vermittelten sie den Teilnehmern die Geschichte und die handwerklichen Besonderheiten der Kanderner Keramik. Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Wissen, Erfahrung und Leidenschaft hinter einem Handwerk stehen, das unsere Kultur seit Jahrtausenden begleitet. Für die gewonnenen Einblicke und die freundliche Gastfreundschaft spricht die Museumsgesellschaft Schopfheim ihren aufrichtigen Dank aus.

 

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