Museumsgesellschaft Schopfheim e.V.
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550 Jahre seit der Erfindung des Johannes Gutenberg und 750 Jahre Stadt Schopfheim legitimieren mich, meine seit vielen Jahren gesammelten Bleisetzmaschinen einer interessierten Öffentlichkeit, besonders auch den heutigen "Jüngern Gutenbergs", zugänglich zu machen.

Wie Ihnen bekannt, handelt es sich bei den Satzautomaten um ein wesentliches Segment zur Verbreitung von Nachrichten, Wissen und Kommunikation.

Gutenbergs Erfindung, mit dem Guss von einzelnen Lettern (Buchstaben) Wörter und ganze Sätze oder gar Seiten zusammenzubauen, war der Durchbruch zur Verbreitung von Nachrichten etc. Es dauerte jedoch 300 Jahre, bis der Drang nach Wirtschaftlichkeit den Erfindergeist zum Erfolg führte. Ca. 1880 gelang unter anderen Mitbewerbern Ottmar Mergenthaler aus Bad Mergentheim die maschinelle Herstellung von druckbereitem Satz.

Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen, die mit gegossenen Lettern das Handsetzen maschinell bewerkstelligten - jedoch nicht alle Versuche waren wirtschaftlich - gelang Mergenthaler mit seinem Konzept, Gussformen zu setzen und danach als ganze Sätze in Blei abzugießen, der entscheidende Weg zum Massensatz. Bücher, Zeitschriften, Tageszeitungen, wissenschaftliche und religiöse Schriften waren nun massenweise herzustellen und zu verbreiten.

Die Bleisetzmaschinen wurden laufend verbessert und leistungsfähiger, bis 1975 der Fotosatz den Bleisatz ablöste. Die Setzmaschinenzeit dauerte nur ca. 80 Jahre. Dem Fotosatz droht nun durch die digitale Satzherstellung bereits nach 25 Jahren die Ablösung.

Sämtliche Modelle des Marktführers LINOTYPE GMBH habe ich vor der Schrottpresse bewahrt und mühevoll restauriert. Selbstverständlich sind auch bedeutende Modelle der übrigen Hersteller vorhanden. Die Maschinen sind alle betriebsfähig und werden z. T. in Betrieb vorgeführt.

Die Sammlung ist bis auf zwei Modelle komplett (ca. 40 Stück), die noch fehlenden sind bereits gefunden oder in Vorbereitung.

Es ist eine einmalige Sammlung, die ihresgleichen sucht; meines Wissens ist nirgends eine nur annähernd so komplette Sammlung zu finden.

In einem Schopfheimer Fabrikgebäude fand ich nun eine entsprechend würdige Bleibe für die Sammlung; sie wurde im Rahmen des 750jährigen Jubiläums der Stadt Schopfheim eröffnet

 

Die Suche nach der perfekten Setzmaschine

Johannes Gutenberg (1400-1468) erfand um 1445 das Handgießgerät mit dem aus Blei einzelne Buchstaben gegossen werden konnten. Bisher war das Drucken nur von Holz- oder Metallplatten mit geschnittenen Motiven möglich. Jetzt konnte man einzelne Buchstaben zu Wörtern und ganzen Sätzen zusammensetzen, und nach dem Druck der so erstellten Seiten diese wieder zerlegen, um die Lettern erneut auf die selbe Art zu verwenden. Jetzt begann eine gewaltige Verbreitung von Nachrichten und Wissen. Dieses System der Druckstockherstellung wurde immer mehr verfeinert und ergänzt.

Im 19. Jahrhundert betrug die Stundenleistung eines Handsetzers ca. 1400 Buchstaben pro Stunde. Nur mit einer Armee von Setzern wäre eine heutige Tageszeitung möglich, denn es müsste nicht nur gesetzt, sondern auch wieder abgelegt werden, abgesehen vom enormen Materialaufwand. Auch die Bleilettern wären nur für wenige Auflagen verwendbar, da eine Abnützung unweigerlich eintritt.

Man suchte deshalb nach einer Möglichkeit den Satz maschinell herzustellen. Über 200 verschiedene Patentanmeldungen wurden bekannt, jedoch die größte Zahl der Erfindungen führte in eine Sackgasse. Anfangs versuchte man Handsatzlettern maschinell zu setzen, doch die Stundenleistung der Maschine war nicht höher wie die Handsatzleistung der 3 Bedienungspersonen zusammen.

Viele der Erfinder verloren ihr ganzes Hab und Gut. Nur drei Entwicklungen blieben in der Zeit übrig. Die "Monotype" eine Einzelbuchstaben-Gießmaschine gesteuert mit einem Lochband ebenso der "Typograph", eine Zeilengießmaschine mit an Stäben befestigten Messingmatrizen, und die "Linotype" mit dem bekannten Matrizenumlauf und Zeilenguss.

Der Typograph hatte den Nachteil, dass man nur eine Schrift setzen konnte, das Umstellen auf eine andere Schrift war durch den Stabwechsel sehr umständlich. Die Linotype war deutlich überlegen, auch der günstige Preis des Typograph war letztendlich nicht ausschlaggebend.

Natürlich versuchten sich nun bald viele Nachahmer im Kopieren einzelner Aggregate, aber in einer Reihe von Prozessen wurden die meisten abgewehrt. Ganz verhindert werden konnten die Kopien jedoch nicht, da durch die Globalisierung der Patentschutz Löcher hatte. So wurde in England die "lntertype" und in Russland die "Neotype" gebaut und mit Erfolg vertrieben.

Diese Sammlung von Linotype-Maschinen erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit, aber es wird laufend versucht noch fehlende Modelle und Systeme auch im Fremdmaschinen-Bereich zu beschaffen. Noch gesucht wird das Modell 2 Simplex, Modell 12 (in Vorbereitung) und Modell 6. Diese Typen sind sehr selten oder nicht mehr im Originalzustand aufzufinden. So suchen wir das Modell 2 mit Gasheizung. Eine derartige Maschine wurde 8 Tage bevor wir diese aufstöberten verschrottet - nur wenige Kilometer von uns, in Schramberg.

Mit dieser Sammlung wird versucht, die Entwicklung des Maschinensatzes festzuhalten, da diese Erfindung maßgeblich die Kommunikation verbesserte. Z. B. durch Tageszeitungen, Literatur, Lehrstoff, wissenschaftliche Veröffentlichungen etc.. Die Auswirkungen waren in etwa so groß wie die Erfindung der Einzelbuchstaben durch Johannes Gutenberg.

Die Bleilettern-Epoche dauerte etwa 500 Jahre, die Bleisetzmaschinen-Zeit ca. 80 Jahre, bis sie vom Fotosatz abgelöst wurde. Der Fotosatz wird derzeit nach ca. 30 Jahren durch den Digital-Satz ersetzt. Was kommt danach?
 

Klaus Max Trefzer

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